Dienstag, 2. September 2008

Kann man mit 5 Punkten in Deutsch Texter werden?

Ich kennen viele Art Direktoren, die nach ihrem Designstudium Texter geworden sind. Damit ist die Frage eigentlich schon beantwortet.

Texter wird man nicht, weil man die deutsche Grammatik gut beherrscht (dafür gibt es Lektoren). Oder die Leiden des jungen W. gesellschaftskritisch interpretieren kann. Texter wird man aus ganz anderen Gründen.

Zum Beispiel, weil man viel lieber Architekt geworden wäre. Aber kein Talent hat. Oder weil man am Ende des BWL-Studiums merkt, dass man das Studium nur dem Vater zuliebe durchgezogen hat. Oder weil man mit seiner Band durch die Provinz getourt ist, aber nach dem hundersten Clubauftritt feststellt, dass man davon nicht leben kann. Oder weil man schon während der Lehre zum Bankkaufmann gedacht hat, dass man Anzug und Krawatte als Arbeitskluft zum Kotzen findet.

Es gibt wohl kaum einen Beruf, in dem es so viele Quereinsteiger gibt. Der Grund ist einfach: Es gibt keine festgeschriebene Ausbildung. Und es gibt nur wenig Ausbildungsstätten (wie die Texterschmiede in Hamburg).

Doch das Schizophrene ist: Man kann in relativ kurzer Zeit gutes Geld verdienen. Wenn, ja wenn man richtig gute Ideen hat – und schreiben kann.

Meistens steigen die Anfänger über ein Praktikum in einer Werbeagentur quer ein – wenn sie eines bekommen. Oder sie besuchen ein Jahr die Texterschmiede oder (ich glaube 2 Jahre) die Miami Ad School (was beides nicht umsonst ist).

Gute Texter texten nicht einfach nur, sie konzipieren. Sie denken sich für ein bestimmtes Marketing- oder Kommunikationsprojekt ein Konzept aus. Zusammen im Team mit einem Partner (meistens ein Art Director). Mich hat schon immer fasziniert, dass man eigentlich keine technischen Hilfsmittel braucht. Natürlich ist ein Computer sehr hilfreich. Aber man kann seine Ideen mit einem Stift auf einem Blatt Papier aufschreiben (und ggf. grob skizzieren).

Gute Ideen setzen sich immer durch – selbst wenn man sie auf eine Serviette gekritzelt hat.

Für junge Menschen, die in diesen Beruf einsteigen wollen, ist es deshalb eminent wichtig, eine Mappe aufzubauen. Mit dieser Mappe stellt man seine Ideen vor. Früher war das eine große schwarze Ledertasche mit schönen großen Klarsichtfolien, in denen die Anzeigen und Plakate, die Broschüren und Storyboards großzügig präsentiert wurden. Heute sind es DVDs, mit denen die Ideen via Labtop gezeigt werden.

Der Vorteil einer DVD gegenüber einem Labtop: man kann sie leicht verschicken. Ob Ledermappe oder DVD, wichtig ist die Qualität der Ideen. Da machen viele Anfänger (aber auch alte Hasen) immer wieder den Fehler, dass sie Ideen entwickeln, die nahe liegend sind. Sie halten schon die erstbeste Idee für die beste.

Heute sind viele Briefings sehr ähnlich und in Folge zerbrechen sich Tausende von Kreativen auf dieser Welt über die gleichen Aufgaben den Kopf. Man muss also schon sehr selbstkritisch, diszipliniert und ehrgeizig sein (ein gewisses Talent setzen wir jetzt mal voraus), um Gedanken zu entwerfen, auf die nicht jeder kommt. Oder die in einer Branche so noch nie verwendet wurden.

Kreativität ist die hohe Schule der Kombination von nicht zusammen gehörenden Inhalten, so dass sie eine neue, überraschende Perspektive ergeben. Wie zum Beispiel bringt man eine Bibliothek und ein 200 PS Motor unter einen Hut ? Das zeigt der beigefügte Spot, mit dem ich meinen zweiten Blog-Tag heute beschließe.


Tipp 2: Eine gute Idee, die nahe liegt, ist keine gute Idee, weil sie meistens schon ein anderer realisiert hat.




TV-Spot "Motorblock" für den Skoda Octavia RS 2006

Kommentare:

Ihr Lektorat hat gesagt…

Eine Anmerkung aus dem Lektorat:
Ein portabler Rechner heißt entweder Notebook oder Laptop mit "p", da es vom englischen "lap" wie Schoß und nicht "lab" wie Labor kommt.

Der Suchende. hat gesagt…

Klugscheisser. Sorry, Klugscheißer. Aber danke.

Anonym hat gesagt…

War doch ein Wortspiel, Lab wie Labor, dann passts. Der Labtop von heute ist die Mabbe von gestern:-)

Ihr Texter hat gesagt…

Ein Wortspiel scheint es eher nicht zu sein, jedenfalls wird das aus dem Kontext nicht wirklich ersichtlich!